Tauchen in Sibenik
Das Kornatgebiet ist bezüglich der Inhalte verschiedenartigster Lokalitäten eines ungewöhnlichen Unterwasserreliefs ein unversiegbarer Quell: Steile Felswände voller Leben, Unterwasserhöhlen, Spalten und Durchgänge nehmen ein großes Gebiet Norddalmatiens ein. Die auf dem Festland stationierten Tauchzentren haben zwar höhere Zugangskosten zu den Tauchlokalitäten, sind aber wegen ihrer Lage Gastgeber einer größeren Zahl von Tauchern.
Diese Zone, beginnend mit dem Sibeniker Gebiet, wo der Kornat-Archipel verschiedenartig und für die Zentren im Bereich der Küste (Vodice, Murter, Sibenik, Primosten) gut zugänglich ist, bis zum Gebiet der großen mitteldalmatinischen Inseln, stellt die wahre Schwelle zur Adria dar: Das offene Meer vom Südwesten reinigt das fischreiche Aquatorium, und die unumgänglichen Verkehrswege seit der Antike und dem Mittelalter bis heute zeigen eindeutig, dass dies schon immer ein Gebiet mit intensiven menschlichen Aktivitäten war. Außer den zahlreichen kleineren archäologischen Lokalitäten (Kornati, Lavsa, Zirje, Smokvica, Muljica) und den verschiedenartigen geologischen Formationen des südlichen Kornatgürtels und des karstigen Festlandmassivs, kann man hier die Sythese der nördlichen und südlichen Unterwasserwelt der Adria finden: Ein kristallklares Meer, Klippen und Riffe, Höhlen und tiefe Kessel, in denen sich viele unentdeckte Wracks verbergen. Es wundert nicht, dass immer wieder neue Lokalitäten (Wracks) entdeckt werden und das Gebiet hauptsächlich unerforscht ist. Die bisherige Unerforschtheit der Unterwasserwelt liegt in der Tatsache begründet, dass zur Zeit Jugoslawiens und der Aktivitäten des damaligen Militärs in diesem Gebiet das Tauchen in dieser militärisch-strategischen Zone (Zirje - Zecevo - Smokvica - Rt Ploca) verboten war. Die Südküste der Insel Zirje ist besonders interessant und attraktiv, weil sie den anderen Inseln des äußeren Gürtels ähnlich ist: Wo eine Lokalität endet, beginnt die andere, was das Tauchen in diesem Gebiet außerordentlich attraktiv macht.
Eines der bedeutendsten Wracks in diesem Gebiet ist das des Schiffes Francesca de Rimini, das sich in unmittelbarer Nähe der Nordküste der Insel Kaprije befindet. Es sank, von Torpedos zweier englischer Flugzeuge des Typs SPITE FIRE getroffen, am 22. März 1944, als es vor der Nordküste der Insel Kaprije getarnt vor Anker lag. Es handelt sich um ein gut erhaltenes Stahlschiff aus dem Zweiten Weltkrieg mit einer Länge von 42 Metern und einer Breite von 12 Metern sowie drei Masten. Vor dem Krieg befand es sich im Besitz kroatischer Eigner. Anfang des 2. Weltkrieges wurde das Schiff von den Italienern mobilisiert, die mit ihm Waffen transportierten. Nach dem Fall Italiens im September 1943 übernahmen die Deutschen das Schiff, die es für denselben Zweck wie die Italiener verwendeten, bis es von Flugzeugen der Alliierten versenkt wurde.
Unweit dieser Lokalität gibt es am Nordkap der Insel Kaprije Unterwasserkaskaden, die zu den schönsten Unterwasserwandlokalitäten in diesem Gebiet zählen. Sie beginnen schon in einer Tiefe von 20 Metern und reichen bis in 50 Meter Tiefe.
An der Küste der Insel Drvenik befindet sich vor Grebastica der Eingang zu einer Unterwasserhöhle, die eine Luftkuppel (Siphon) hat. Eine andere zugängliche Höhle in dieser Zone liegt am Westkap der Insel Tmara bei Primosten in einer Wand, die sich 200 Meter südlich vom Kap in Richtung Primosten erstreckt. Der Höhleneingang an der Tmara-Wand liegt in 35 Meter Tiefe, hat einen ebenen Sandboden mit vielen Hummern, die den Eingang vor Neugierigen bewachen.
Etwas nördlicher von Tmara liegt ein Unterwasserriff, das von lokalen Tauchern als Kathedrale bezeichnet wird. Es ist ein Riff mit zwei abgerundeten Spitzen, unterschiedlicher Konfiguration der umgebenden Wände und besonders attraktiv von der Nord- und Südseite.
Unmittelbar vor Primosten befinden sich in gut zugänglicher Tiefe von 24 bis 30 Metern Überreste des italienischen Frachtschiffes MERANO, das im Dienste der deutschen Kriegsmarine Kohle transportiert hat. Im September 1943 wurde es vor Primosten bei der Insel Grabavac von Artilleriefeuer der alliierten Truppen vom nahen Festlandmassiv attackiert, in Brand gesetzt und versenkt. Nach Kriegsende hob man einen Teil des Wracks (Schiffsschrauben, einen Teil des Schiffsaufbaus, Motoren und anderes), weil es sich in geringer Tiefe eines Seeweges befand, während die Seitenplanken des Schiffes, ein Teil des Mastes, Flaschen mit komprimierter Luft für den Motorenantrieb und andere Deckteile noch immer auf dem Sandgrund liegen. Im Bereich des Wracks liegt auch heute noch die Kohle verstreut, die der Frachter geladen hatte. Zwischen diesen Überresten haben Hummer, Kraken, Meeraale und viele andere Fische ihren Lebensraum gefunden.
Bei der Insel Mala Smokvica befindet sich das Wrack eines kleinen Dampfschiffes in einer sehr zugänglichen Tiefe von 20 bis 27 Meter. Diese Lokalität wird häufig von Tauchern aller Kategorien besucht. Die Kessel liegen verstreut auf dem Grund neben dem Schiffsrumpf. Da sich in unmittelbarer Nähe der Inselsüdküste Teile der linken Seitenplanken befinden, ist anzunehmen, dass das Schiff stark beschädigt wurde, vielleicht durch eine Explosion während der Fahrt und, nachdem es einen Teil der Seitenplanken verloren hatte, am südwestlichen Kap sehr schnell auf den Sandgrund gesunken ist.
An der Außenseite der Insel Velika Smokvica gibt es eine herrliche Felswand mit roten Gorgonien, die sich von 18 bis 60 Meter Tiefe erstreckt. Der schönste Teil dieser Wand liegt im Bereich von 20 bis 35 Meter Tiefe. An der Küste findet man auch manchmal Scherben antiker Keramiken, was etwas über die Gefährlichkeit dieser Küste bei starkem Unwetter aussagt. Etwas westlich von der Wand befindet sich in einer Tiefe von 35 Metern ein gesunkener Torpedo von etwa 8 Metern Länge. Man nimmt an, dass er bei Manövern der ehemaligen jugoslawischen Kriegsmarine verloren gegangen ist. Man hat ihn entschärft und auf dem Grund liegenlassen.
Westlich von Mala Smokvica befindet sich an einem Unterwasserriff, dessen Spitze in 7 Metern Tiefe liegt, am Südhang auf dem Sandgrund in einer Tiefe von 38 bis 42 Meter ein gesunkener Ponton. Er ist wie ein Schiffsrumpf konstruiert und mit einem breiten Deck und Brüstungspfählen am Rande versehen. Einige Pfahlspitzen sind mit großen Schwämmen bewachsen, und westlicher vom Ponton befindet sich eine Wand voller Löcher und Spalten, in denen sich oft Hummer und andere Fische verbergen.
Westlich vom Rt Ploca steht der Leuchtturm Mulo, der sich zum Tauchen gut eignet, weil die Orientierung um die Insel leicht ist. An der Westseite befinden sich Kaskaden, die bis zu 42 Meter Tiefe abstürzen. In der Höhle am Fuße des Hangs kann man manchmal einen Gewöhnlichen Stechrochen, Katzenhai, Hummer und andere Fische antreffen, die sich in den Wandöffnungen verstecken.