
Die Gewässer um Istrien haben eine geringere Tiefe, ein weniger klares Wasser und schlechtere Sicht, sind aber dafür reich an einem der am meisten gesuchten Inhalte des Tauchtourismus - an Schiffswracks. Die strategische Lage Pulas als Kriegshafen während der letzten Jahrhunderte und als Zugang zur Nordadria (Italien) erklärt, warum diese Zone so verkehrsintensiv und in Kriegszeiten von zahlreichen in der Nähe von Pula und am Eingang in den Kvarner stationierten Flottenverbänden gut verteidigt wurde. Die Zugänglichkeit der gesunkenen Schiffe in diesem Aquatorium haben wir der Tatsache zu verdanken, dass das Meer hier seicht und an der Westküste Istriens nicht tiefer als 40 Meter ist. An der Ostküste in Richtung Rijeka ist es bis zu 70 Meter tief. Die Spuren auf dem Meeresboden weisen darauf hin, dass Istrien seit Tausenden von Jahren an dem unumgänglichen Verkehrsweg aus dem östlichen und mittleren Mittelmeer in Richtung Norditalien und der Nordadriaküste liegt, der sich hier mit den Verkehrswegen Mitteleuropas verbindet.
Zu den bekanntesten Wracks der Nordadria zählt zweifellos jenes des Passagierschiffes Baron Gautsch unmittelbar vor Rovinj. Im Bereich dieser Lokalität sind etwa zehn Tauchzentren aktiv. Dieses österreichisch-ungarische Passagierschiff verunglückte im Jahre 1914 in einem Minenfeld, wobei zahlreiche unschuldige Reisende ihr Leben ließen. Auf seiner letzten Fahrt fuhr das Schiff von Dalmatien nach Triest und beendete diese westlich von Brijuni in einem Minenfeld, das von dem österreichisch-ungarischen Minenleger BASILISK kurz vorher zur Verteidigung des Hafens von Pula gelegt worden war. Das Schiff ist 84,5 Meter lang und 11,6 Meter breit. Es wurde von drei Dampfmaschinen mit einer Gesamtkraft von 4600 KS angetrieben, und die maximale Geschwindigkeit betrug 17 Knoten. Es befindet sich 6 Seemeilen südwestlich vom Leuchtturm Sv. Ivan na pucini in 28 bis 40 Meter Tiefe. Das Oberdeck beginnt in 28 Meter Tiefe, und das Unterdeck befindet sich in 42 Meter Tiefe. Beim Tauchen ist wegen der schlechten Sicht, die vom Sediment im Schiff und in seiner unmittelbaren Nähe verursacht wird, Vorsicht geboten. Die unteren Schiffsteile sind noch nicht vollständig erforscht, obgleich bekannt ist, dass viele Taucher bei der illegalen Suche nach Wertgegenständen und Souvenirs das Wrack ziemlich devastiert haben. Heute steht es unter dem Schutz des Kultusministeriums und das Tauchen ist nur in der Organisation lizenzierter Tauchzentren möglich.
Weitere bedeutende Wracks: Coriolanus: Ein Kriegsschiff der britisch-königlichen Marine aus der Klasse Shakespeare. Das Wrack befindet sich unter dem Schutz des Kultusministeriums der Republik Kroatien. Es handelt sich um ein mit Dampfmaschinen angetriebenes Minensuchboot, das als Schiff für schwerere Wetterbedingungen konstruiert war (Trawler). Es hatte 554 BRT, eine Länge von 46 Metern und eine Breite von 8,5 Metern und war mit Kanonen, Kaliber 20 mm, für die Flugabwehr sowie mit 30 Unterseebootminen bestückt. Das Schiff war 1940 vom Stapel gelaufen und gehörte zu einer Flotte von zwölf Schiffen seiner Klasse. Man nimmt an, dass es wegen seiner installierten elektronischen Ausrüstung bei Kriegsende auch an Spionageoperationen beteiligt war. Es sank am 5. Mai 1945 nach Auflaufen auf eine Treibmine in ganz kurzer Zeit. Das Schiffswrack HMS Coriolanus liegt bei 45° 19' 9'' nördlicher geographischer Breite und 13° 25' 25'' östlicher geographischer Länge in einer Tiefe zwischen 11 und 25 Meter etwa 6 Seemeilen vor der istrischen Küste. Beim Tauchen ist auf Fischernetze zu achten, mit denen das Wrack zum guten Teil bedeckt ist. Die zeitweise gute Sicht und die geringe Tiefe, in der es sich befindet, bieten auch für Taucher mit weniger Erfahrung günstige Tauchbedingungen. Manchmal ist es sogar von der Wasseroberfläche aus zu sehen.
Flamingo: Ein Torpedoboot der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine, das im 1. Weltkrieg beim Patrouillieren westlich von Premantura auf die eigene Mine gelaufen ist. Lange Zeit nahm man an, dass es sich wegen der besonderen Form und kompakten Stahlkonstruktion um ein Unterseeboot handelt. Es liegt ziemlich in Schlamm eingebettet. Diese attraktive Lokalität mit oft guter Sicht ist für fortgeschrittene Kategorien von Tauchern geeignet. Die Länge des Schiffes beträgt 40 Meter, und es liegt in 40 bis 45 Meter Tiefe.
Giuseppe Dezza ist ein Torpedoboot italienischer Produktion aus dem 2. Weltkrieg. Mit der Kapitulation Italiens wurde es von den Deutschen übernommen und erhielt den Namen TA35. Der wahrscheinliche Grund für sein Sinken ist ein englisches Flugzeugtorpedo, mit dem die Munitionskammer getroffen wurde. Es kam zu einer sehr starken Explosion. Bei dieser Havarie zerbarst das Schiff in der Mitte und durch die Detonation wurde der Schiffsbug weggeschleudert und befindet sich 80 Meter nördlich vom Rest des Schiffes und dem Heck. Es liegt in einer Tiefe von 30 bis 36 Meter. Diese Lokalität ist für Taucher aller Kategorien geeignet. Die Länge des Schiffes beträgt 73 Meter und seine Breite 7,3 Meter. Es ist ein gut erhaltenes Wrack mit Kanonen an Deck.
U-81: Ein Unterseeboot der deutschen Kriegsmarine und bekannt dafür, dass es im Atlantik den englischen Flugzeugträger ARC ROYAL versenkt hat. Es befindet sich 4 Seemeilen westlich vom Rt Kamenjak (Premantura). Das U-Boot wurde 1945 durch Flugzeugbomben versenkt und zerbrach in zwei Teile. Nach Ende des 2. Weltkrieges versuchte die Jugoslawische Kriegsmarine, dieses Unterseeboot zu reparieren, barg es vom Grund und transportierte es nach Pula. Beim Transport rissen die Zugseile beim Rt Stoja, wo dann der größere Teil des Unterseebootes und 500 Meter weiter der kleinere Teil wieder versank.
„John Gilmore“: Ein Handelsschiff, das in der Werft JOHN GILMORE in Schottland gebaut worden ist. Da sein richtiger Name unbekannt ist, nennen es die Taucher nach dem Namen der Schiffswerft, den sie auf einer Tafel eingraviert fanden, aber der Name des Schiffes blieb bis heute ein Geheimnis. Es versank im Jahre 1915. Da der Bug stark beschädigt ist, wird angenommen, dass es durch Auflaufen auf eine der 1450 Minen des im 1. Weltkrieg zu Verteidigungszwecken vor dem Kriegshafen Pula ausgelegten Minenfeldes verunglückte. Die Länge des Schiffes beträgt 65 Meter und seine Breite 8 Meter. Das Wrack liegt in 36 bis 43 Meter Tiefe.
„Josefina“: Ein Handelsschiff, dessen tatsächlicher Name unbekannt ist, und es gibt keine Angaben über seine Geschichte. Es versank im Jahre 1915. Die Länge des Schiffes beträgt 65 Meter und seine Breite 8 Meter. Das Wrack liegt in einer Tiefe von 41 Metern und hat einen offenen und beschädigten Bug, woraus zu schließen ist, dass es wahrscheinlich auf eine Unterwassermine gelaufen ist. Es liegt auf Sandgrund am Eingang zum Hafen in Pula, in einem Bereich, der durch ein Minenfeld geschützt war. Deshalb liegen alle Wracks der in dieser Verteidigungslinie verunglückten Schiffe in einer geraden Linie.
Varese: Ein italienisches Handelsdampfschiff mit zwei Masten, das Phosphate von Venedig nach Tunis transportierte. Es war im Jahre 1870 vom Stapel gelaufen und verunglückte im Januar 1915 bei der Einfahrt in den Hafen von Pula. Dabei lief es im Minenfeld auf eine Wassermine und sank sehr schnell. Die Reste des Schiffes befinden sich in 32 bis 41 Meter Tiefe auf schlammigem Grund, so dass beim Tauchen mit schlechter Sicht gerechnet werden muss. Die Länge des Schiffes beträgt 65 Meter und die Breite 8 Meter. Geblieben ist nur der Stahlrumpf, in dem zahlreiche Fische ihren Lebensraum haben. Er ist mit Moostieren und Schwämmen bewachsen und stellt ein künstliches Riff dar. Der Bug fehlt, weil er bei der Minenexplosion weggerissen wurde. Die Reste des vorderen Teils des Schiffes sind mit Fischernetzen bedeckt. Man sieht die Öffnung des vorderen Laderaums, Reste des Aufbaus und die Öffnung des hinteren Laderaums und des Hecks.
Hans Schmidt: Dieses Wrack wurde lange Zeit unter dem Namen ISTRA geführt, weil der richtige Name des Schiffes unbekannt war. Es ist eine attraktive Tauchlokalität mit guter Sicht. Das Schiff hat eine Länge von 110 Metern und wurde 1920 in den Niederlanden (unter dem Namen ALBIREO) gebaut. Seinen jetzigen Namen trägt es nach dem letzten Eigner aus Deutschland. Es gibt nur wenige Daten über seine Geschichte, bevor es gesunken ist, und auch nach seiner Entdeckung auf dem Meeresgrund blieb es lange unbekannt und namenlos. Dieser Frachtdampfer brach infolge einer Explosion auseinander, nachdem er auf eine Unterwassermine gelaufen war. Auf seiner letzten Fahrt transportierte er Waffen und Munition. Das Wrack befindet sich in 32 bis 40 Meter Tiefe. Die Lokalität ist für Taucher der fortgeschrittenen Kategorie geeignet.
Der Nationalpark BRIONI ist ein besonderes Schutzgebiet und das Tauchen dort nur im Rahmen befugter Tauchzentren erlaubt. Diese Gewässer sind sehr reich an attraktiver Flora und Fauna der adriatischen Unterwasserwelt. In diesem Schutzgebiet kann man leicht den Großen Drachenkopf, Korallen und Schnecken unterschiedlicher Farben und Formen antreffen. Der Boden um die Inseln herum weist viele Spalten, kleine Höhlen und Tunnels im Fels auf, die den verschiedenen Fischarten als Lebensraum dienen.
Fraskeric ist ein Tunnelsystem und befindet sich westlich vom Campingplatz INDIE südlich von Pula. Es ist eine sehr attraktive und häufig besuchte Lokalität und für Taucher aller Kategorien geeignet. Aber es empfiehlt sich, mit Leitern lizenzierter und befugter Tauchzentren zu tauchen. In dieser südlich von Pula gelegenen Zone befindet sich auch eine attraktive Unterwasserwand, die in einer Tiefe von 14 Metern beginnt und in 35 Meter Tiefe endet, wo sich ein Segelschiffmast befindet, der in einer Wandspalte steckt. Man vermutet, dass dieser Mast infolge einer Schiffshavarie abgebrochen und ins Meer gefallen ist, wobei er zwischen den Felsen eingeklemmt wurde.
Reff Stoja an der Südseite von Pula ist eine besondere geologische Konfiguration: Canyons, Spalten und Höhlen sind voller verschiedener Fischarten und eine ausgezeichnete Lokalität für Unterwasseraufnahmen.
Valovine ist eine Lokalität für das so genannte RELAX DIVING. Diese Höhlen, bzw. ein Höhlensystem, befindet sich westlich von Pula unmittelbar an der Küste, und endet in einem Canyon mit einer Tiefe bis zu 20 Metern. Es ist eine sehr attraktive Lokalität für alle Kategorien und ein außerordentlich interessantes Ambiente für Unterwasseraufnahmen.
Einige dieser Lokalitäten stehen als Kulturgüter unter dem Sonderschutz des Kultusministeriums. Deshalb ist das Tauchen zu den Wracks ausschließlich unter der fachkundigen Leitung lizenzierter Tauchzentren möglich, die eine Genehmigung für die Ausübung der Tätigkeit des touristischen Tauchens in Sonderschutzzonen haben. Außer den Wracks von Schiffen, Flugzeugen und Unterseebooten haben die Gewässer Istriens ein reiches Unterwasserleben zu bieten, besonders in der Nähe von Wracks und Unterwasserriffen. Bei den Wracks und in ihnen sind oft Meeraal, Mittelmeertrüsche, Schwärme kleinerer Fische, und manchmal an Stellen außerhalb des unmittelbaren Küstengürtels auch pelagische Arten (Seriolafisch, Thunfisch) anzutreffen.